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OMNIA Nr. 2

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Mai 2016 - Ausgabe #02

Mai 2016 - Ausgabe #02 50 ...der Burg entgegenlaufen. nach den steilen Hängen in die Ebene kommen und in Sichtweite auf eine Burg zulaufen. Sich in Sicherheit fühlen, ohne zu wissen, was dann dort passiert. In den Ebenen südlich und nördlich der Alpen reiht sich Burg an Burg wie einer unsichtbaren Ordnung folgend. Sie thronen auf Hügeln oder Felsvorsprüngen und heißen als Zeichen der Zivilisation jeden Reisenden willkommen. Schutz und Wegezoll waren die unsichtbare Abmachung. Für die Burgherren waren die kurzen Distanzen Kommunikationsmittel, denn Brände, Angriffe und Plünderungen waren sofort weithin sichtbar. Im Jahr 1414 beschreibt Leonardo Bruni, ein Florentiner Politiker, der von Verona zum Konzil nach Konstanz reiste, die Gegend nach Trient: „Es gibt dort zahlreiche Burgen, die hoch auf dem Felsen über dem Fluss ragen und Adeligen gehören. Wenn diese nun eine größere Anzahl an Reisenden erblicken, lassen sie, wenn sich die Gruppe schon unterhalb ihrer Burg befindet, plötzlich von der Festung die Hörner erschallen; zudem erhebt eine möglichst große Anzahl an Menschen von den Mauern und Befestigungen ein barbarisches Geschrei und feindliches Geheule.“ (Zit. nach Christian Rohr) Wer traute sich weiter zu laufen? Hatte man eine andere Wahl, wenn man Foto: Shutterstock - J. Fontanet

NATUR RAUM Erlebe den Geist des Mittelalters! eingeschüchtert am Ziel angekommen war, nach einer langen, mühsamen Reise? In vielen Alpentälern erkennt man noch den alten Charakter, wenn sich eine Burg nach der anderen zeigt; zum Beispiel im Inntal in Österreich oder im Rheintal in der Schweiz. Teilweise sind die Anlagen sehr gut erhalten und zu Städten gewachsen, wo die Burg heute als Restaurant und Museum genutzt wird. Eine Besichtigung lohnt sich meistens. Manche Burgen sind nur noch in der Natur versteckte Ruinen. Gerade in jenen, die heute unberührt sind, ist der „alte Geist“ noch greifbar. Ein Besuch ist ein Erlebnis und regt an nachzuspüren: Wie war es wohl damals, als man lange Wegstrecken noch zu Fuß ging oder unbequem auf Ochsenkarren reiste? Als die Frauen schwere Röcke trugen und von harter Arbeit tiefe Schwielen an den Händen hatten? Als man das Heilwissen der Natur kannte und jeden Tag im Einklang mit Sonnenauf- und -untergang lebte? Manchmal tut es gut, leicht und unbeschwert gedanklich in frühere Epochen Tipp: zu reisen und mit viel Phantasie Neuem zu begegnen. Vielleicht erkennt man sogar Parallelen zu heute und stellt fest, dass sich gar nicht viel verändert hat, oder erklärt sich Trends, wie beispielsweise die Pilgerschaft, die ihren Ursprung auch im Mittelalter hat. Ein neuer Zugang zur Umgebung, in der man reist oder lebt, zur Kraft und Macht des Alten ist gewiss. Quellen: • Christian Rohr: Reisen, über die man nicht gerne spricht – Alpenüberquerungen im Mittelalter. unter www.uni-salzburg.at/ fileadmin/oracle_file_imports/ 545793.PDF • Jon Mathieu: Die Alpen. Raum – Kultur – Geschichte. Verlag Philipp Reclam jun. 2015 Gönne dir einen Spaziergang entlang einer alten Alpenstraße oder besichtige eine Burgruine und gehe bewusst mit dem Geist des Mittelalters in Verbindung! Lasse dich darauf ein und spür die Kraft der alten Mauern, das Beständige der alten Straße und die Ruhe der Natur, die dort schon seit Jahrhunderten anwesend ist. 51

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