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OMNIA Nr. 16

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Juni 2020 – Ausgabe

Juni 2020 – Ausgabe #16 Das Ganze entsteht also viel früher, geht aber für den Mann meistens schlecht aus. Was also tun? Es ist immer individuell anders, und dennoch gibt es ein paar Gemeinsamkeiten, wieso es ausgerechnet die Männer härter trifft als die Frauen. Damit sage ich nicht, dass Frauen nicht auch in ein Jammertal fallen können und auch werden. Ich betrachte aber hier einmal nur die Männerseite. Männer entwickeln sich erst ab dem dreißigsten Lebensjahr so einigermaßen. Frauen machen das schon ab dem zwanzigsten Lebensjahr oder sogar schon früher. Männer haben heutzutage in der Regel studiert, sind viel gereist, haben sich „ausgetobt“, wie es so schön heißt. Jetzt steckt der Mann also erstmals in einer fünf Jahre oder noch länger dauernden Beziehung. Und was passiert jetzt? Männer stellen fest, es könnte noch mehr geben! Das ist dann eine ganz normale Sinnkrise. Oder sie stellen fest, es gibt noch mehr Frauen, wieso nicht mal was Neues ausprobieren? Wegwerfgesellschaft eben. Das klingt hart, ist aber die bittere Wahrheit. Was ist mit den anderen? Mit denen also, die verlassen werden? Genau, die haben das Problem, dass sie sich geborgen fühlen wie in Mutters Schoß und dabei vergessen, dass Liebe auch ständige Kommunikation und stetigen Kampf bedeutet; dass etwas zusammenwachsen kann und darf, was dann auch zusammenbleiben möchte. Das Heim, das sich diese Männer angeblich erschaffen haben, ist weg. Das stürzt sie in ein Jammertal und ihre Reaktionen sind durchaus vergleichbar mit jenen, die die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross im Hinblick auf Sterbende nennt, nur nicht ganz so dramatisch, weil man ja weiterlebt. Aber es sind folgende Reaktionen, die bei Verlassenen fast immer zu beobachten sind: 1. Schockstarre 2. Wieso eigentlich ich? 3. Schuldfrage: Bin ich etwa schuld? 4. Nicht begreifen können und wollen 5. Begreifen 6. Akzeptanz 7. Hoffnung 8. Zukunft gestalten 9. Damit leben Bei Männern, die verlassen werden, kommt noch hinzu, dass viele Frauen die Kommunikation komplett einstellen. Warum? Weil diese Männer mit Mitteln kämpfen, welche die Frauen in die Enge drängen und nicht wirklich wieder zurück in die Arme der Männer. Wenn aber die Kommunikation eingestellt wird, und zwar gänzlich, dann fällt es allen Männern, wenn diese denn betroffen (im Sinne von emotional ge-troffen) sind, extrem schwer, damit zu leben. Ich habe persönlich Fälle erlebt, wo Männer noch Jahrzehnte danach diese „Büchse der Pandora“ mit sich herumgetragen haben. Das ist nicht schön und leider auch für die neuen Partner nicht ganz einfach. Ein kleiner Hinweis, wie Mann und Frau eigentlich zusammenkommen – und das schreibe ich mit einem guten Schuss an schwarzem Humor, der aber viel von der Realität an sich hat (jeder möge sich einmal überprüfen, wie es bei ihm denn so ausschaut): Also Frauen nehmen einen Mann zu ihrem Partner, weil sie glauben, sie werden ihn schon zu dem Traummann zurechtzubiegen, den sie sich so vorstellen. Männer nehmen eine Frau in der Hoffnung, dass sie immer so bleibt, wie sie ist. Fazit: Frauen trennen sich von Männern, weil dieser nicht so geworden ist, wie sie es gerne gehabt hätten. Und Männer trennen sich, weil Frauen nicht so geblieben sind, wie das der Mann gerne gehabt hätte. Dilemma. Und damit sind wir bei einem extrem wichtigen Thema, den Erwartungshaltungen. Jeder kennt werdende Paare, die ihre heimliche Negativ-Checkliste abhaken. – Fehler Nummer 1! Checklisten sind immer vorhanden. Gerade bei einem Single – egal ob Mann oder Frau – erhalte ich in Coachings immer eine Liste, was diejenigen NICHT mehr wollen. Blöd gelaufen, wenn es Foto: Shutterstock 44

doch um die andere Liste geht, nämlich um die, die anführt, was ich gerne hätte, was ich mir wünsche, wie der Traumpartner aussehen und sein soll. DIESE Liste ist enorm wichtig. Aber jenseits aller Checklisten: Eine Beziehung lebt von folgenden Punkten: • Kommunikation. Wie reden Paare untereinander und miteinander? Kommunikation ist das A und O in jeder Beziehung. Die meisten bemerken erst, wenn es zu spät ist, dass sie keine gute Kommunikation hatten. Zu spät ist zu spät. Das „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“ ist ein tödliches Hobby beider Seiten geworden. • Klarheit und Offenheit. Das bedeutet nichts anderes, als dass man sich sagen kann, was man vom anderen will, was man erwartet und erhofft. So kann man Glück, Liebe und das Leben teilen und genießen. Die Männer haben natürlich auch noch andere Probleme: Die Generation 35 plus ist teilweise schon in Familien aufgewachsen, die keine mehr waren, das heißt, sie sind Scheidungskinder oder in einem Singlehaushalt aufgewachsen. Es war keine wirkliche Vaterfigur da, und niemand hat sich dazu bereit erklärt, diesen Part zu übernehmen. Aus dem eigenen fehlenden (oder falschen) Rollenvorbild kommt der Mann nie in die Rolle des verantwortungsvollen Partners, wenn er nicht an sich arbeitet. Und der Mann ist auch nicht dazu geboren, alleine zu sein. Das heißt, je älter er ist, desto eher wird er das Gefühl haben, jetzt bis zum Lebensende alleine bleiben zu müssen. Männer neigen dazu, in dieser Phase massiv zu übertreiben, Depressionen entstehen. Hier hilft: weinen. Ja, das klingt gerade für Männer immer komisch. Die meisten werden es nicht zugeben, aber weinen hilft. Ich achte ohnehin schon in meiner Arbeit darauf, dass meine Klienten weinen dürfen, sollen und auch dann können. Der geschützte Rahmen ist hier enorm wichtig. Männer erfahren hier mal wieder, was es bedeutet, sich fallen zu lassen und aufgefangen zu werden. Weinen bedeutet Befreiung. Die meisten weinen so stark wie zuletzt als Kind oder als Baby. Danach geht es schlagartig besser. Der erste Schritt ist getan, und schon geht es bergauf. Über das Weinen erhält man Kontakt zu seinem emotionalen Zentrum und fängt an, sich intensiv mit seinen echten, wirklichen Gefühlen zu befassen. Männer sind keine Opfer, deshalb darf man jetzt auch nicht das große Mitleid haben. Frauen geht es ähnlich, nur die Ursachen und die Auswirkungen sind andere. Männer leiden einfach besser als Frauen. Und ja, auch ich habe das erlebt und stehe dazu. Ich habe es verarbeitet und unterstütze jetzt nicht nur Männer, sondern eben auch ganz viele Frauen. Und die Mehrheit derer, die mit dieser Thematik zu mir kommen, sind Frauen. Frauen verstehen Männer einfach besser als umgekehrt (wenn sie es denn wollen). Die Männer bekommen davon nichts mit, und somit wurde schon so manche Partnerschaft gerettet. An die Männer, die das lesen: Einfach mal mehr hinhören, was eure Partnerin zu sagen hat. Mehr mit ihr kommunizieren. Und sprecht mehr über eure Gefühle. Genießt jeden Moment eures Glückes, denn dieser eine Moment wird niemals so wiederkommen wie in der Sekunde, die ihr gerade erlebt habt. Versucht also nicht, genau diesen Moment wieder zu erleben. Das wird nicht funktionieren. Akzeptanz erschafft immer neue Momente, die ihr gemeinsam, bewusst erleben und genießen könnt! Alexander Maria Faßbender Alexander Maria Faßbender ist Mentalpsychocoachologe, Speaker, Visionär und Gründer der Space Coach Academy in Hamburg, in der er Menschen auf den Weltraumtourismus vorbereitet und Coaches in Mentalpsychocoachologie ausbildet. Mehr Infos: space-coach-academy.com, alexander-maria-fassbender.de 45

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