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OMNIA Nr. 15

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Herzstück: Partnerschaft - Wie können wir glücklich gemeinsam leben?

Dezember 2019 –

Dezember 2019 – Ausgabe #15 Über die Meinungsfreiheit und warum wir auf der Suche nach der Wahrheit sind Wir erleben derzeit eine öffentliche Meinungsvielfalt, die uns oftmals überfordert. Jeder Mensch kann seine Meinung in den sozialen Medien äußern, und es ist unsere Entscheidung, ob wir ihm glauben. Wir sind von Experten umgeben, die auf der Informationswelle surfen und die die Welt der Massenmedien, der öffentlichen Kommunikation grundlegend auf den Kopf stellen. Aber der Wunsch nach Wahrheit war noch nie so präsent wie heute. Deshalb ist eine Parabel aus dem 5. Jahrhundert vor Christus aktueller denn je. 428 vor Christus beschrieb der Philosoph Platon ein Gleichnis über den Menschen, das als „Höhlengleichnis“ bekannt geworden ist. Er erklärt darin, dass der Mensch seit seiner Kindheit gefesselt mit dem Rücken zum Ausgang in einer Höhle sitzt. Er blickt also auf die Rückwand und ist derart festgebunden, dass er weder Körper noch Kopf bewegen kann. Hinter ihm befindet sich eine Mauer und hinter dieser brennt ein Feuer, das die Höhle erleuchtet. Regelmäßig werden nun Gegenstände auf der Mauer vorbeigetragen, die einen Schatten auf die Höhlenwand werfen, auf die der Mensch blickt. Der Mensch sieht nur die Schatten, das heißt, er weiß nicht, was hinter ihm geschieht oder wie die realen Gegenstände aussehen. Da er also nur die Schatten kennt, glaubt er, dass sie wahr sind. Er würde den realen Gegenstand niemals mit der Schattenprojektion gleichsetzen. Platon stellte damals die Frage, was geschehen würde, wenn der Mensch sich aus der Gefangenschaft befreien könnte. Er stellte dazu folgende These auf: Wenn er das Feuer sehen könnte, würde er geblendet. Die Gegenstände könnte er nicht als real annehmen, weil er darauf konditioniert ist, die Schatten als Wirklichkeit zu betrachten. Platon war der Meinung, dass der Mensch sich wohl verwirrt wieder umdrehen und sich erneut den Schattenspielen zuwenden würde. Platon wollte wissen, was geschehen würde, wenn der Mensch gezwungen wäre, die Höhle zu verlassen. Seine These lautete, dass ihn das Sonnenlicht zuallererst blenden würde. Sobald er sich jedoch an die Helligkeit gewöhnt hätte, würde er feststellen, dass die Welt außerhalb der Höhle viel strahlender und lebendiger ist als die Welt der Schattenspiele, die er bisher kannte. Er würde erkennen, dass diese Welt alle seine Vorstellungen bei weitem übertrifft. Platon glaubte, dass ein derart befreiter und wissender Mensch niemals wieder in die Höhle zurückkehren würde. Er spielte den Gedanken weiter durch und fragte, was wohl geschehen würde, wenn dieser befreite Mensch versuchte, anderen Gefangenen davon zu erzählen? Vermutlich würden sie ihn auslachen. Das wäre die harmloseste Reaktion. Als Nächstes würden sie versuchen, ihn in der Höhle zu halten. Das würde sicherstellen, dass ihre Realität aufrechterhalten bliebe, und man könnte den Ausflug mit der Zeit wieder vergessen. Dabei kä- 44

men wohl sämtliche Druckmittel zum Einsatz, damit der Befreite wieder in die Höhle zurückkehrte, zum Beispiel die Androhung, ihn zu verstoßen und zu ächten. Die Gefangenen würden sich wie die Wächter ihrer Schattenspiele verhalten und ihr Revier verteidigen. Die neue Version der Welt würden sie mit allen Mitteln bekämpfen, denn durch diese Erzählungen wäre ihre sichere Welt und damit ihre Wahrheit gefährdet. Platon glaubte, der „Erleuchtete“ würde attackiert, gesellschaftlich isoliert, im Extremfall sogar getötet, damit die innere Ordnung der Höhle beibehalten werden könnte. Bezieht man das Höhlengleichnis auf Themen, die einen gesellschaftlichen Wandel erfahren dürfen, erkennt man, wie schwierig es ist, gesellschaftlich anerkannte Wahrheiten in Frage zu stellen. – Das erleben wir heute im öffentlichen und im politischen Diskurs, wenn alte und neue Meinungen aufeinandertreffen. Das Höhlengleichnis ist damit eine Einladung, einmal darüber nachzudenken, welche Realitäten wir sehen. Schauen wir auf die Schattenprojektion oder auf die Welt, so wie sie ist? Wann schauen wir auf die Schatten und wann erlauben wir uns, die Welt so zu sehen, wie sie ist? Gerade in der heutigen Zeit mit der Allgegenwart der neuen Medien haben wir so viele Schattenwelten und Realitäten, dass wir längst den Überblick verloren haben. Das macht es vielen Wächtern leicht, ihre scheinbar richtige Position zu vertreten. Bewusstes Verwirren, Verheimlichen und Irreführen sind nicht nur Kriegslist, sondern leider Alltag in der Medien- und PR-Branche. „Wer spricht denn jetzt die Wahrheit?“, möchte man oftmals dem Fernseher oder so manchem Politiker entgegenschleudern, der seine eigene Wahrheit neben die Schatten stellt. Wann also schauen wir auf die Schattenspiele und wollen die Realität nicht sehen? Ein wesentlicher Punkt im Höhlengleichnis ist, dass wir auch selbst als Wächter fungieren. Eigene Vorstellungen, Glaubenssätze, gesellschaftliche Normen, wissenschaftliche Theorien, das erlernte Wissen ... sind im Grunde alles Schattenspiele, die uns in einer bestimmten Position halten. Wenn wir diese hinterfragen, sind wir bereit, etwas anderes (außerhalb der Höhle) anzuerkennen. Als Reaktion darauf werden wir gemäß dem Höhlengleichnis vielen Wächtern begegnen, die uns in unseren alten Vorstellungen halten möchten – ja oftmals sind wir sogar selbst der Wächter und zwingen uns in den alten Glauben(ssatz) zurück. Sobald wir jedoch selbst erkennen, dass wir auch unser eigener Wächter sind, haben wir eine Chance, die Realität zu erkennen. Ein gängiges Wort für dieses von Platon beschriebene Schattenspiel ist der Begriff „Matrix“. Es ist eine Realität, aus der wir aussteigen können, wenn wir erkennen, dass es sie gibt. Dieses Bewusstwerden oder die Einnahme einer Beobachterposition reichen aus, um sich aus der Matrix zu entfernen. Prüfen wir das Höhlengleichnis anhand eines aktuellen Beispiels unserer Zeit. Der Klimawandel und Greta Thunberg Greta steht für den Kampf gegen den Klimawandel (wir wissen, wenn wir gegen etwas sind, verstärken wir es sowieso). Sie ist unter anderem der Meinung, dass der CO2-Ausstoß reduziert werden 45

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