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OMNIA Nr. 2

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Mai 2016 - Ausgabe #02

Mai 2016 - Ausgabe #02 Wie ging es nach dem Studium weiter? Nach meinem Pflichtjahr in Kliniken wusste ich nicht, was tun. Ich hatte lediglich einen wundervollen Arzt kennengelernt, Prof. Begemann. Aber der war Hämatologe, praktisch Krebsarzt, und das wollte ich eigentlich nicht werden. Außerdem war bei ihm keine Stelle frei. Im Krankenhaus für Naturheilweisen auch nicht, und der Normal-Klinik wollte ich mich ersparen, sie aber vor allem auch mir. Also ging ich auf Weltreise und schaute mir Medizin in anderen Kulturen an, und da fand ich viel Faszinierendes: von Geist-Chirurgen auf den Philippinen bis zu Schamanen in Afrika und Gurus in Indien. Nach der großen Reise blieb ich sozusagen bei Thorwald Dethlefsen häntale Meditation für einige Jahre. Später fand ich zur Zen-Meditation, die ich heute noch mache. Nach dem Abitur haben Sie in München Medizin und Psychologie studiert. War das von Anfang an Ihr Wunsch? Ich hatte ein Einser-Abitur und wusste nicht so recht wohin. Eigentlich faszinierten mich Medizin und Psychologie am meisten, aber ich wollte als Hippie nicht den Erwartungen entsprechen und die gingen genau in diese Richtung. Die Erziehung meiner Mutter, einer engagierten Sonderschullehrerin, zielte genau darauf ab, aus uns kleine Albert Schweitzers zu machen. Der Freund und Pfarrer Friedrich Eras brachte mich darauf, dass ich ruhig Medizin studieren dürfe. Wie waren Sie als Student? Vor allem laut, wir protestierten und streikten und kämpften damals ja in einem fort, sogar in München, einer noch vergleichsweise braven Uni. Was hat Sie am Studium gestört? Schon im Studium wollten sie uns – mit wenigen Ausnahmen – nicht zu guten Ärzten, sondern zu Medizinern und Pharma-Verschreibern machen. Das störte mich und so blieb ich Protestant, nicht im religiösen Sinn, da fühlte ich mich zum Katholizismus, wie ich ihn im bayrischen Dorf mit Weihrauch und Ritus kennengelernt hatte, mehr hingezogen. Aber auch die Abneigung der Ärzte gegen längere Gespräche mit den Patienten störte und irritierte mich. Glauben Sie, dass die Medizin heute anders ist? Ich erlebe sie eher noch pharma-höriger, noch geld-orientierter, wenn es auch zunehmend Kollegen gibt, die da nicht mehr mitspielen wollen. Meine wichtigsten Bücher... ... für die Medizin und die Patienten: „Krankheit als Symbol“ ... für alle Lebewesen: „Peace-Food“ und „Geheimnis der Lebensenergie“ ... für die persönliche Entwicklung: „Das Schattenprinzip“ und „Die Schicksalsgesetze“ Ruediger Dahlke´s Lieblingsbuch: Die Möwe Jonathan von Richard Bach 58

NEUE PFADE gen, bei dem ich schon vorher Reinkarnations-Therapie gelernt hatte. Das ist eine faszinierende Form der Schattentherapie und eigentlich C.G. Jungs Vorstellungen nahe, bis auf den damals wirklich provozierenden Namen. Haben Sie jemals eine „klassische“ Arztpraxis geführt? Nein, höchstens im Sinne der klassischen Homöopathie. Eigentlich war ich bei Dethlefsen als Psychotherapeut eingestiegen und wir gingen daran, diese weiterzuentwickeln. Mir steckten Hunderte Stunden Psychoanalyse, vor allem als Gruppentherapie, in den Knochen, die ich als nicht sehr weiterführend erlebt hatte. So erarbeiteten wir ein Konzept einer 40-stündigen, aufdeckenden Schatten- Psychotherapie. Dabei merkten wir, dass Patienten, die unter Verstopfung litten, sich viel schwerer mit der Schattenarbeit taten, als die anderen. Daraus entstand wieder ein Interesse für den Körper, und aus ersten natürlichen Abführmaßnahmen entwickelte sich die begleitende Fastentherapie. Mir wurde klar, dass zwischen körperlichem und seelischem Loslassen ein enger Zusammenhang bestand. Das war eigentlich schon die Geburtsstunde von „Krankheit als Weg“. nach 25 Jahren auch getrennt haben, aber in großem Frieden. Wir haben uns auch die Freiheit bewahrt, weiterhin bis heute in Eintracht Eltern von Naomi, unserer Tochter, zu sein und auch inhaltlich weiter zusammenzuarbeiten, also etwa Bücher zu schreiben. Mit 40 Jahren wurden Sie Vater einer Tochter – mit gemischten Gefühlen, wie Sie es selbst einmal beschrieben haben. Können Sie uns darüber etwas erzählen? Margit wollte unbedingt ein Kind, obwohl wir beide schon älter waren und unsere Beziehung unter dem Motto „In Freiheit und Liebe“ stand. Schon Ende des dritten Monats wussten wir, obwohl wir Amniozentese (Anm. der Redaktion: Fruchtwasseruntersuchung) und dergleichen abgelehnt hatten, dass wir ein Das Seminarzentrum TamanGA liegt in Gamlitz, Südsteiermark (AT) und wurde 2012 mit dem Klimapreis Österreichs ausgezeichnet. Lesetipp von Ruediger Dahlke: „Etwas mehr Hirn bitte“ von Gerald Hüther Kind mit Downsyndrom erwarteten. Das war in vielerlei Hinsicht schwer auszuhalten, zum Beispiel weil uns meine „lieben“ Kollegen in bester Absicht, auch spät noch, immer wieder Abtreibungen und sonstige „Unfälle“ anboten, denn für Margit war der Gedanke phasenweise kaum auszuhalten. Aber letztlich fühlten wir uns immer gemeint und haben das dann auch gemeinsam durchgestanden. Wir fühlen uns heute mit Naomi so sehr beschenkt. Sie hat uns so viel gelehrt, weil sie eben gerade kein Intellekt-Tiger ist wie wir beide, sondern ganz Gefühl und Emotion. Sie haben dann mit Ihrer ersten Frau Margit Dahlke das Heilkundezentrum in Johanniskirchen (D) gegründet. Mit welchen Gedanken und Zielen? Wir wollten schon lange aus der Stadt weg und in die Natur und einen idealen Ort für Psychotherapie schaffen. Das verwirklichten wir im Heil-Kunde-Zentrum in Johanneskirchen und ich freue mich bis heute daran, wie gut das weitergeht. Zum Glück haben wir beide so viel aus unseren scheidungsreichen Familiengeschichten gelernt, dass wir uns zwar Foto: Shutterstock - Ruediger Dahlke 59

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