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OMNIA Nr. 2

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Mai 2016 - Ausgabe #02

Mai 2016 - Ausgabe #02 „So viele Berge, so viele Felsen, so zahlreiche und endlose Bergrücken, so viele Gipfel und Steigungen, so viele Höhen erheben sich überall, dass es äußerst bemerkenswert erscheint, was jene Mutter und Weltschöpferin Natur sich dabei gedacht hat, als sie dies schuf.“ Leonardo Bruni über die Alpen im Jahr 1414 Foto: Shutterstock 48

NATUR RAUM Stell dir vor, wie es früher war! Mach mit uns eine Zeitreise und komm mit in die Alpen im Mittelalter! Wie war die Reise von Norden nach Süden damals und wie ist sie heute? Welche Relikte sind geblieben? Eine Einladung in eine Zeit, als Reisen noch beschwerlich war und viel Zeit in Anspruch nahm. Über die Alpen im Mittelalter... Das war eine mühsame und gefährliche Angelegenheit. Steinschläge und unwetter im Sommer, Schnee im Winter. Seit dem Ötzi-Fund wissen wir, dass die Alpen schon sehr früh bewandert wurden. Wahrscheinlich wurde schon damals Handel zwischen den Völkern des Nordes und Südens betrieben. In den ersten Aufzeichnungen und Chroniken wird die Reise über die Alpen nicht erwähnt. Es scheint fast so, als wurde nichts geschrieben, um die Erinnerung zu verdrängen oder andere nicht von ihrem Vorhaben abzuschrecken. Einer der frühesten Berichte stammt von König Heinrich IV. aus dem Jahr 1077 und wird von Christian Rohr wie folgt zitiert: „Der Winter war äußerst streng (...). Daher mietete er um Lohn einige ortskundige, mit den schroffen Alpengipfeln vertraute Einheimische, die vor seinem Gefolge über das steile Gebirge und die Schneemassen hergehen und den Nachfolgenden auf jede mögliche Weise die Unebenheiten des Weges glätten sollten. (...) Sie krochen bald auf Händen und Füßen vorwärts, bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer (...). Die Königin und die anderen Frauen ihres Gefolges setzte man auf Rinderhäute, und die dem Zug vorausgehenden Führer zogen sie darauf hinab. Die Pferde ließen sie teils mithilfe gewisser Vorrichtungen hinunter, teils schleiften sie sie mit zusammengebundenen Beinen hinab, von diesen aber krepierten viele beim Hinunterschleifen, viele wurden schwer verletzt, und nur ganz wenige konnten heil und unverletzt der Gefahr entrinnen.“ 150 Jahre später fahren bereits 6.500 Frachtwagen über den Brennerpass und 1490 baute Maximilian I. bereits das Postwesen über das Adelsgeschlecht von Thurn und Taxis in seinem gesamten Reich aus. Heute überqueren wir die Alpen meist bequem im Auto und fahren an steilen Abhängen vorbei, ohne dies zu bemerken. Der alte Straßenverlauf ist jedoch oft nicht weit vom heutigen entfernt, deshalb lohnt es sich, einmal stehen zu bleiben und diesem alten Weg zu begegnen. Schluchten, Pflastersteine, alte Quellen warten darauf, entdeckt zu werden. Interessante Fakten • 11 Passübergänge werden seit dem Mittelalter befahren. Die wichtigste Nord-Süd-Achse ist seit jeher der Brennerpass, der im 3. Jahrhundert von den Römern ausgebaut wurde. • Alpenüberquerungen waren von den heimischen Bergvölkern abhängig. Aus ihren Reihen wurden Bergführer angeheuert. Dank dieser entstanden an vielen Alpenpässen Hospize für Wanderer und Pilger. Sie wurden von Geistlichen gegründet und von Stiftungen des Adels unterhalten. • Am Großen St. Bernhard steht seit 1050 das älteste Hospiz. In diesem wurden die weltbekannten Bernhardiner als Lawinensuchhunde eingesetzt. • Der Hl. Bernhard, Gründer des Hospiz, ist Schutzpatron der Alpenbewohner und Bergsteiger. 49

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