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OMNIA Nr. 2

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Mai 2016 - Ausgabe #02

Mai 2016 - Ausgabe #02 Fördern im Kern Warum Coaches im Familienalltag mehr sehen und jedem Familienmitglied Stärken und Schwächen zugestehen Ein Bericht aus ihrem Coachingalltag von Eliane Sütterle DDie Anforderungen an Familien sind heute sehr groß: Gute Leistungen sind gefragt, sowohl im Beruf als auch in der Schule, und das von jedem Familienmitglied. Der Druck für alle wird immer größer und er hat Einfluss auf den Umgang miteinander. Wenn Bedürfnisse nicht erkannt werden, werden Werte verletzt und das kann zu unschönen Erlebnissen führen. Ein Familiencoaching unterstützt die einzelnen Familienmitglieder und die gesamte Familie in schwierigen Lebensphasen, diese gemeinsam zu bewältigen. Der Begriff Coaching wird definiert als professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung und stammt ursprünglich vom englischen Wort „to coach“: trainieren, einüben. Damit ist erklärt, was ein Coaching macht: Es hilft und trainiert neue Verhaltensweisen. Ein Familiencoaching wird oftmals erst in extremen Krisensituationen angewandt, dann auch staatlich gefördert, wie bspw. in Deutschland. Man sollte jedoch schon viel früher an diese Möglichkeit denken, vor allem dann, wenn man bemerkt, dass die Ressourcen knapp werden, weil die eigenen Bedürfnisse schon lange nicht mehr erfüllt sind. Ein Coaching kann ein Einzelgespräch zu einem bestimmten Thema sein. Im Familiensystem ist es jedoch oftmals zielgerichteter, wenn der Coach den Alltag miterlebt und gleichzeitig alternative Handlungsmöglichkeiten aufzeigen kann. Jedes Familienmitglied ist ein Individuum. Dieses hat aufgrund seiner persönlichen Werte Bedürfnisse. In der Zusammenarbeit mit dem Familiencoach werden diese wahrgenommen und gefördert und finden dadurch Raum im Alltag. Damit wird Wertschätzung gelebt, das stärkt den Kern des einzelnen und den der Familie. Es geht nicht darum, dem anderen Grenzen zu „Meine Empfehlung ist: Schau auf den Kern! Und der ist bei dir selbst.“ setzen und möglicherweise Machtspiele auszulösen, sondern die eigenen Grenzen aufzuzeigen und einzufordern, damit diese akzeptiert werden. Das bedeutet zu wissen, was man selbst möchte und dafür einzustehen – auch gegenüber dem eigenen Kind. Foto: Shutterstock 22

WARUM EINEN FAMILIENCOACH IN DIE FAMILIE HOLEN? Folgendes Beispiel aus einer Coachingsituation zeigt, wie das gehen kann: • um Bestätigung im Umgang mit den Kindern zu erhalten • um die Familienwerte zu stärken • um den Zusammenhalt zu fördern und den Auftritt als Familie zu ermöglichen • um die Ruhe im Familienkern zu erhalten • zur Unterstützung und als Entlastung in anspruchsvollen Lebensphasen Ein 12-Jähriger spielt gerne Federball. Dieses Mal spielt er jedoch frech, denn jedem Ballwechsel folgt ein Smash und es entsteht kein Spielfluss. Ich sage ihm klar und direkt, dass es mir so keinen Spaß macht und ich gerne im Fluss spielen möchte, sonst höre ich auf. Er spielt genau so weiter. Ich schmeiße den Schläger hin, setze mich auf den Boden und erkläre ihm, dass ich nicht mehr spielen werde, weil es so keinen Spaß macht. Ich unterstreiche meine Handlung, indem ich meine Arme verschränke. Als er bemerkt, dass ich wirklich nicht einlenke, kommt der Junge schließlich auf mich zu und schlägt mir vor, wie wir jetzt spielen können: Fünf Schläge fies, alles andere im Fluss. - Und so haben wir es umgesetzt. Worum geht es in dieser Situation? Es geht darum, meine Bedürfnisse und Grenzen aufzuzeigen, ohne Vorwürfe zu machen! Wenn es mir keinen Spaß macht, dann darf ich das als Erwachsener auch sagen – und muss mich nicht dazu zwingen, nur weil ich es vielleicht versprochen habe. Ich darf und muss meine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen. Dann nimmt mich auch das Kind ernst. Wichtig ist, dass ich in der Ich-Form kommuniziere, denn in der Du-Form schleichen sich vielleicht Vorwürfe ein. Auch die Körpersprache muss mit dem, was ich sage, übereinstimmen. Zum Schluss darf ich die vorgeschlagene Lösung natürlich akzeptieren, vorausgesetzt meine Werte wurden anerkannt. Im Familiencoaching geht es darum, die Bedürfnisse von jedem Familienmitglied anzuerkennen und danach zu handeln, egal wer diese Bedürfnisse äußert. Ein anderes Beispiel: Ein dreijähriger Junge möchte Popcorn essen, allerdings werden gerade alle vorbereitet, einkaufen zu gehen. Die Mutter sagt, dass er Popcorn haben kann, wenn er angezogen ist. Der Junge bleibt hartnäckig, wird laut und schreit. Er geht zum Schrank und will sich die Popcorn selbst holen. Als Familiencoach schreite ich jetzt ein, weil sich die Mutter gerade um ihr zweites Kind kümmert. Ich stoppe ihn und sage: „Du hast deine Mama gehört: Zuerst anziehen, dann kannst du Popcorn essen.“ „Nein jetzt!“, fordert er laut. Ich entgegne ihm: „Ich verstehe, dass 23

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