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OMNIA Nr. 2

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Mai 2016 - Ausgabe #02

Mai 2016 - Ausgabe #02 Eltern sein, Paar bleiben „Und als ihnen über´s Jahr ein Kindlein geboren wurde, da schien ihr Glück vollkommen“, so heißt es bei Aschenputtel, wenn sich die Verwicklungen am Ende in eitlem Sonnenschein auflösen. Über alles Weitere schweigt das Märchen: Dass Aschenputtel mit ihrem Prinzen zankt, weil es ihr mächtig stinkt, den ganzen Tag zu Hause mit einem Baby und einem Haufen Arbeit zu verbringen, dass deshalb der schöne, junge König lieber außer Haus regiert, als dem kleinen Prinzen die Windeln zu wechseln und nicht im Traum daran denkt, das Regieren seiner Königin zu überlassen, die sich fortan damit bescheiden soll, das Schloss sauber zu halten und für den Thronfolger die Möhrchen zu pürieren. (Nach Gerlinde Unverzagt) 14 „Mit einem gemeinsamen Kind krönen die Liebenden ihre Beziehung“, heißt es im Märchen. Der Mythos wirkt weiter: Elternschaft wird heute mehr denn je verklärt, vielleicht weil sie verglichen mit dem Kinderreichtum früherer Zeiten so selten geworden ist? Die Realität zeigt sich meist anders, und frischgebackene Eltern stehen vor der Bewältigung vieler (neuer) Aufgaben: Erschöpfung, Selbstzweifel und das Gefühl, der Elternrolle nicht gewachsen zu sein, Ärger über die ungerechte Aufteilung der Hausarbeit, finanzielle Sorgen usw. Wenn aus Frauen Mütter und aus Männern Väter werden, ändert sich fast alles: Man spricht, isst, schläft weniger und streitet mehr. Irgendwann läuft nichts mehr – außer der Waschmaschine. Übertreibung oder nüchterne Bilanz? Muss es denn so sein? Nein! Wie sich eine Paarbeziehung entwickelt, wenn ein Kind dazukommt, hängt stark davon ab, wie gut Mann und Frau es im Vorfeld bereits verstanden haben, ihre Liebesbeziehung als Paar zu leben und wie sie gelernt haben, über Unterschiedlichkeiten hinweg Einvernehmen herzustellen. Kinder sind nicht das Problem – aber sie decken bereits vorhandene Probleme auf und verschärfen sie. Dazu kommen unterschiedliche Vorstellungen über den Erziehungsstil, verbunden mit den jeweils unterschiedlichen Kindheitserfahrungen und Wertvorstellungen des Ehepartners. Aus zwei werden drei Die Umorganisation von einer Zweierbeziehung als Paar zur Dreierbezie- Foto: Shutterstock

hung als Familie bedarf einer besonderen Achtsamkeit von Mann und Frau, denn die Liebe und Aufmerksamkeit wird nun geteilt. Am auffallendsten ist dabei die geringe gemeinsame Zeit als Paar, wenn das Baby zunächst völlig im Mittelpunkt steht. Manche Männer „Das Wichtigste, das ein Vater für seine Kinder tun kann, ist, ihre Mutter zu lieben.“ HENRY WARD BEECHER kommen sich dann wie „das dritte Rad am Wagen“ vor. Cartoons zeigen eifersüchtige Männer, die zuschauen, wie das Baby an der Brust der Frau saugt. Die entscheidende Aufgabe des Vaters ist es nun, die Mutter-Kind-Symbiose, die neun Monate lang im Bauch der Frau vorgeherrscht hat, aufzulösen, damit es nicht zu einer anhaltenden Mutter- Kind-Idylle kommt, die ihn und andere aus- und nur das Kind einschließt. Er kann dies, indem er Verantwortung und Aufgaben übernimmt, die Frau unterstützt, das Gespräch sucht und eigene Gefühle ausspricht. Der Mann sollte bedenken, dass die Schwangerschaft und Geburt für die Frau eine große emotionale Herausforderung und Leistung ist. Deshalb sollte vor allem der Mann es sein, der seiner Frau eine starke Schulter bietet. Die Schweizer Psychologin Rosmarie Welter-Enderlin beschreibt das so: „Der Mann sollte der Frau ab und zu ein warmes Tuch um die Schultern legen.“ Und sie meint es im wörtlichen und im bildlichen Sinn. Gespräche sind das A und O Jetzt kommt dem gemeinsamen Paargespräch eine noch größere Bedeutung zu. Beide verbringen die meiste Zeit in unterschiedlichen Welten: Sie zu Hause, den ganzen Tag mit dem Kind, er bei der Arbeit, oder – in noch wenigen Fällen – umgekehrt. Das erfordert das Interesse und Verständnis füreinander und die Fähigkeit, über die eigene Befindlichkeit offen zu reden. Die Gefahr ist, dass sich die Gespräche ansonsten hauptsächlich um das Kind drehen. Mit Reden und Zuhören und der aufrichtigen Bereitschaft, Nachlässigkeiten und Verwirrung zuzugeben, über Geld und Sex, über offene Zahnpastatuben und über die Frage, wie man vor den Gästen redet, zu sprechen, gewinnt man ein besseres Verständnis füreinander. Inseln für die Zweisamkeit schaffen Wichtig ist auch, sich Zeit füreinander zu nehmen. Manche engagieren wenigstens einmal im Monat einen Babysitter und gehen ins Kino, ins Theater, fein essen oder tanzen. Andere führen einen fernsehfreien Abend pro Woche ein, um miteinander „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen, schöne Musik oder ein Hörbuch gemeinsam zu hören. Gib den Großeltern eine Chance „Wir würden ja gerne wieder einen Tag nur für uns sein, aber die Kinder…“, hört man manchmal Paare seufzen. Nicht alle haben das Glück, einsatzbereite Großeltern zu haben. Aber wer die Gelegenheit hat, möge sie nutzen und einfach fragen. Für Oma und Opa bringen Enkelkinder Leben in die Bude. Kinderlachen schafft Lebensfreude. Sorglos können die Eltern wieder einmal einen Tag – und wenn möglich eine Nacht dazu – ganz für sich genießen. Auch wenn es schwer fällt, das Baby abzugeben, ist es eine wichtige Zeit als Paar und zum Auftanken. Gleichzeitig kann das Kind schon früh eine Beziehung zu den Großeltern aufbauen, die dann sehr innig werden kann und alle bereichert. Das Herzstück der Familie ist das Paar! Im Drunter und Drüber des Familienlebens vergisst man leicht, dass das Herzstück einer Familie das Paar ist. Wenn die Beziehungsebenen verwischt werden, führt dies zu Störungen. Kinder sind keine Partner und dürfen nicht zum Partnerersatz werden. Es gibt in der Familie ein Eigenleben des Paares, und das ist gut so. Frau und Mann gehen nicht in der Elternrolle auf bzw. unter! Wichtig ist, dass die Erotik und Sexualität lebendig bleibt, sonst werden die Kinder mitunter interessanter als der Partner. Das tut diesen und jenem nicht gut. Leider wird unterschätzt, wie notwendig es ist, dass jeder in der Familie seinen angemessenen Platz hat. Meine Frau gab mir immer das Gefühl, die Nummer eins zu bleiben und sagte: „Wir haben uns kennen- und lieben gelernt, daraus sind die Kinder entstanden, die wir wieder loslassen müssen. Dann bleiben wir als Paar.“ So wie wir als Paar miteinander umgehen, sind wir ein Beispiel für unsere Kinder und geben ihnen Wichtiges für ihre spätere Partnerschaft mit. Albert A. Feldkircher 15

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