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Omnia Nr. 13

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März 2019 – Ausgabe

März 2019 – Ausgabe #13 Die Pille und ich Kennst du deinen Körper? – Wenn du die Pille nimmst, dann, glaube ich, kennst du ihn nicht. Mit fünfundzwanzig Jahren sagte ich Tschüss zu allen hormonellen Verhütungsmitteln, die mich bis dahin von der Angst befreiten, schwanger zu werden. Damals stand ich vor meinem offenen Kühlschrank und betrachtete die letzte Packung mit dem Hormonring, welche ich bis dahin neben Gemüse, Konfitüre und einer Flasche selbstgemachten Holunderblütensirups aufbewahrte. Da war ich nun. Getrennt von meinem Freund und mit einer Träne in den Augen. Sollte ich mir den Ring doch wieder einführen? Sollte ich ihn wegschmeißen oder doch für alle Fälle aufbewahren? In meinem Kopf kreiste es, und immer mehr Fragen kamen hoch. Warum hatte ich denn in diesem Alter noch kein Kind? Hätte ich es vielleicht darauf ankommen lassen sollen? War es gut, dass ich noch kein Kind hatte? Wollte ich überhaupt eins? Was ist, wenn ich nie mehr einen Freund finde und für immer alleine bleibe? Ich sah mich schon als schrullige alte Katzenmutti ohne Mann, Kind, Haus ... Aber konnte ich diesen Hormonring einfach so im normalen Hausmüll entsorgen, oder war er etwa Sondermüll? Tatsächlich! Warum also schob ich mir et- was in meine wertvolle Vagina, das eigentlich als Sondermüll deklariert war! Ich entschied mich dazu, mich nicht weiter um mögliche Antworten zu kümmern, legte die Packung zurück in den Kühlschrank, machte mir ein Getränk mit Wasser und frischem Holunderblütensirup und setzte mich zu meinem Kater. Damit begann meine „natürliche“ Erwachsenenzeit; immerhin war ich, seit ich sechzehn Jahre alt war, auf künstlichen Hormonen – zuerst durch die Pille, die später vom Hormonring ersetzt wurde. Was ich seit dem Absetzen alles erlebe, muss im Nachhinein betrachtet auch mit dem neuen, natürlichen Zyklus zu tun haben, denn die Jahre davor fühlen sich heute so an, als ob ich wie ein Roboter funktioniert hätte. Jeder Tag war praktisch gleich, und ich spürte absolut nichts von einem Zyklus, außer wenn die Abbruchsblutung stattfand. Mit den künstlichen Hormonen konnte ich sogar die Blutung steuern. Ich griff also sehr drastisch in die natürlichen Vorgänge meines Körpers ein, ohne ein Bewusstsein dafür zu haben, was ich da eigentlich tat. 44

NEUE PFADE Foto: Shuterstock Die Reise Nach meinem Entschluss, erst einmal ohne Hormonring weiterzumachen, lief mein Leben zunächst in den normalen Bahnen weiter, bis ich für drei Wochen nach Nepal reiste. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartete, und buchte über CouchSurfing für die ersten Nächte einen Platz zum Schlafen. Die Packung künstlicher Hormone blieb zu Hause. In Nepal angekommen, wurde ich von tausenden neuen Eindrücken überflutet. Schon nach zwei Tagen brachte mich eine Wanderung in einen buddhistischen Tempel, wo ich für einige Tage im Gästehaus wohnen durfte. Das Leben im Tempel war völlig anders: kaltes Wasser zum Duschen, ein kleines Zimmer mit Blick in den Wald, dreimal täglich meditieren mit den Mönchen. Ich verbrachte sehr viel Zeit mit mir selbst und hörte meinen Gedanken fast ununterbrochen zu. So machten sich auch mein Körper und mein Menstruationszyklus immer stärker bemerkbar. Auf einmal waren da Gedanken und Gefühle, die ich vorher nicht gekannt hatte, denn die Reise mit meinen eigenen Hormonen hatte schon längst begonnen, ich hatte es nur noch nicht richtig bemerkt … Wieder einmal stand ich vor dem Thema, was ich eigentlich in meinem Leben wollte. Ich fasste den Entschluss, meinem Leben mehr Sinn zu geben. Doch was das bedeutete, stellte sich erst später zu Hause heraus. Damals arbeitete ich für eine erfolgreiche Vermögensverwaltung und hatte jeden Tag ein schickes Kostüm und Schuhe mit hohen Absätzen an. Ich liebte meine Schuhe, obwohl meine Füße jeden Abend, trotz Geleinlagen, Venensprays und Mas- sagen, schmerzten. Das konnte definitiv nicht so weitergehen! Es war für mich auch nicht mehr natürlich, den größten Teil meines Lebens sitzend in einem Gebäude aus Beton zu verbringen, meine Lebensenergie fiktivem Geld zu widmen und wegen Überarbeitung keine privaten soziale Kontakte mehr zu haben. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich das letzte Mal Make-up aufgetragen habe. Ich sagte dabei laut zu mir selbst: „Ab morgen gehe ich ungeschminkt zur Arbeit!“ Ein paar Monate später kündigte ich, denn mit meinen neuen Wertvorstellungen passte ich nicht mehr in diese Businesswelt. Im Nachhinein betrachtet verdanke ich die neuen Gedanken und Gefühle den natürlichen Hormonkurven, die mich dazu verführten, mich intensiver mit meinem Körper und seinen natürlichen und gesunden Symptomen auseinanderzusetzen. Worauf reagiert mein Organismus, und warum sind Regelschmerzen eben nicht normal, sondern Ausdruck von Blockaden auf ganz anderen, unbewussten Ebenen? Ich suchte nach Lehren, die den weiblichen Körper und den natürlichen Zyklus positiv betrachten und die alle körperlichen Symptome als Ausdruck der aktuellen Lebenssituation verstehen. So kam ich wieder in Kontakt mit mir selbst. Ich fand meine Figur wieder schön und liebenswert, so wie sie war. Ich ließ mich also auf die Reise mit meinen eigenen Hormonen ein, lernte meinen Körper und mich selbst kennen. Es eröffnete sich mir eine neue Welt, von der ich vorher im Grunde nichts wusste. Ich las von den Jahreszeiten und darüber, dass der Menstruationszyklus ebenfalls in diese vier Phasen unterteilt werden konnte. Der Mond mit seinem 28-Tage-Zyklus kam ebenfalls vor, und ich las, dass es Frauen gibt, die an Neumond ihre Periode und an Vollmond ihren Eisprung haben. Faszinierend. Am wertvollsten fand ich das Menarche-Fest, das gefeiert wird, wenn ein Mädchen seine erste Periode bekommt. „Was für ein tolle Idee“, dachte ich mir und erfuhr, dass es diese Praxis in einigen Kulturen auch heute noch gibt. Ich lernte die Zeichen meines Körpers immer besser kennen und lernte auch, wie ich die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen unterscheiden konnte. Viele neue Helfer wie die Menstruationstasse, das Schwämmchen oder waschbare 45

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